Wo, zum Kuckuck, sind die Kameras?

Eine beruhigende Erkenntnis vom Lausbubenstreich mit dem verdrahteten Rucksack ist doch die, dass die Polizei uns beim Tinguely-Brunnen behutsam im Auge hat.

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Achtung, Kamera!

Körperstrafe ist tabu. Deshalb bekommt der sechzehnjährige Bub, der den ominösen Rucksack am Freitag beim Tinguely-Brunnen platziert und die halbe Innenstadt in Angst und Schrecken versetzt hat, keins an die Ohren sondern ein ordentliches Strafverfahren. Schliesslich hat er den Tramverkehr lahmgelegt und die Première von «Così fan tutte» verzögert, was ärgerlich und unangenehm war, weil der Winterspeck noch nicht ganz abgetragen ist und die Abendroben noch etwas eng um die Taille drückten.

Aber die Tat hat auch bemerkenswerte Erkenntnisse gebracht: Ohne Zürcher geht es nicht. Eine Zweidutzendschaft von Basler Ermittlern verzweifelt daran, einen geheimnsivollen Rucksack zu enttarnen. Das Schlimme daran: Die Zürcher gehen übers Wochenende ins Wochenende, weil sie offenbar den Bubenstreich als solchen entlarvt haben und ihm deshalb zu wenig Bedeutung beimessen, um Sonderschichten einzulegen. Bemerkenswert im weiteren: Solange alles unklar ist, darf man in der aktuellen Medienlandschaft ungeniert wilde Gerüchte verbreiten: Der aus dem Gefängnis entlassene Kanadier Omar Khadr sei es gewesen. Oder die Scientologen.

Und dann des Rätsels Lösung: Ein Sechzehnjähriger. Zusammen mit seiner Freundin. Und die ist zwei Jahre älter als er. Huch, in was für einer Welt leben wir! Zwei Jahre älter. Und erst noch eine Deutsche.

Aber der Hammer: Überwachungskameras haben sie geortet.

Nur: Wo sind sie denn, die Kameras, die den Theaterplatz, den Tinguely-Brunnen und vielleicht auch den Kunsthalle-Garten observieren? Man sieht sie nicht und das muss uns schon zu denken geben. Schaut die Polizei zu, wenn eine Guggemusik aus dem Leimental ohne Larven ein Konzert auf der Theatertreppe gibt? Zählt sie die Joints, die auf dem Platz gedreht werden? Darf Christoph Brutschin mit Regierungskollegin Eva unter den Kastanienbäumen noch ein Bier trinken gehen? Werden die Burschen tatsächlich gefilmt, die mit erleichterter Blase aus der Serraplastik heraustreten?

Sie sind gut getarnt, die Kameras, wir wollen auch nicht danach fragen. Denn wir wissen nun alles: Der Bub war sechzehn, seine Freundin zwei Jahre älter und erst noch ein Deutsche.

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