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Wendeschlaufe – ein Wagenführer denkt nach

Ein Velostreifen auf der Birsfelder Hauptstrasse? Wäre eine feine Idee. Der Landrat in Liestal findet das gut, die Trämmler in Basel überhaupt nicht. Vor allem einer nicht. Er will freie Fahrt und fordert Vergeltungsmassnahmen gegen renitente Baselbieter.

Blick über die Mauer nach Birsfelden, als es noch gar keine Mauer gab – 1932

Der Baselbieter Landrat hat mit grosser Deutlichkeit angekündigt, dass er die Birsfelder Einfallstrasse in die Stadt Basel anders gestalten will. Nämlich so, dass in Birsfelden niemand mehr Kopf und Kragen riskieren muss, wenn er oder sie beim Bäcker Weber auf der anderen Strassenseite ein Brot kaufen oder mit dem Velo noch schnell etwas im Coop holen will. Das verärgert vor allem einen der vielen Trämmler der Basler Verkehrs-Betriebe – sein Groll gegen die Landschäftler bringt ihn auf sonderbare Ideen.

Grenze ist Grenze ist Grenze

Besagter Trämmler – oder korrekt: BVB-Wagenführer – heisst Beat Leuthardt, ist Grossrat und zwar einer von der Basta. Er findet es unerhört, dass Birsfelderinnen und Birsfelder bereit sind, ein Tram-Trassée zu opfern, um Todesfallen für Velofahrer und Fussgänger zu beseitigen. Das  empört ihn sehr und so mag er das 3-er Tram, das normalerweise  aus St. Louis herkommend bis «Birsfelden Hard» fährt, nicht mehr über die Halbkantonsgrenze steuern, sondern nur noch bis in die Breite. Er fordert:  Wendeschlaufe vor der Birs, damit der Wagenführer seinen Wagen nicht zu den Eingeborenen aufs «Land» fahren muss.

bz Basel

Beat Leuthardt, der sich als Grossrat und als Geschäftsführer des Mieterverbands vorbildlich für die schwächeren Mitglieder der Gesellschaft einsetzt und seit Jahren teilzeitlich Trams auf den BVB-Linien fährt, ist in all den Jahren als Wagenführer offenbar ein richtiger Wagenführer geworden. Er führt einen Wagen und wenn er auf der 3-er-Linie eingeteilt ist, will er nur eins: seinen  Wagen zielstrebig durch Birsfelden führen. Freie Fahrt auf freien Trassées. Keine Gefühlsduseleien von wegen enger Trottoirs und fehlender Velostreifen in Birsfelden. Das geht ihn als Wagenführer nichts an, denn seine Welt ist ein Tram ist ein Tram ist ein Tram und ein Tram verspätet sich nicht.  Leuthardt hat – was vielen anderen Wagenführern mit der Zeit auch geschieht –  vergessen, dass in dem Wagen Passagiere sitzen, die mit einer Wendeschlaufe in der Breite hocken blieben, obwohl sie eigentlich über die Halbkantonsgrenze hinüber zu ihren Artgenossen auf dem Land fahren wollten. Wer eine Zeitlang Wagen der BVB führt, der denkt nur noch ans Wagenführen und an sonst nichts. Ganz sicher nicht an Passagiere oder Kunden oder wie das Pack heisst.

Eine Mauer!

Ob eine Wendeschlaufe in der Breite allerdings genügt, um die Eingeborenen der Birs von der Stadt fernzuhalten, ist fraglich. Besser wäre eine Mauer. Eine richtig hohe Mauer. Nicht so eine billige Wessels-Wendeschlaufe, sondern etwas Unüberwindliches. Eine ziemlich hohe Mauer, wo sie dann sicher nicht mehr drüber kommen. Eine Festung müsste  man errichten wie die Festung Europa, über die Beat Leuthard übrigens ein sehr eindrückliches Buch geschrieben hat. Über die Engstirnigkeit der Europäer, die herzlos Asylsuchende fernhalten. Aber eine Festung Basel ist etwas anderes, sie wäre pädagogisch sinnvoll, würde den Rampassen beibringen, was Prioritäten sind: Erst der Wagen, dann die Menschen.

Man könnte natürlich auch darüber nachdenken, wie man Staus von der Birsfelder Hauptstrasse fernhält. Wenn man dabei zu keiner guten Idee kommt, sollte man vielleicht über die Stadtgrenze hinausblicken, falls die Mauer nicht schon gebaut ist. Richtet man oben im Hardwald und – wohl etwas komplizierter – unten in der Breite ein so genanntes Tropfenzählersystem ein, wie es am Gotthard für Lastwagen funktionierte, könnte der Wagenführer seinen Wagen mitsamt Insassen staufrei durch Birsfelden führen. Der Stau bliebe dann zum Beispiel oben im Hardwald zurück. Das wäre doch mal was und alleweil günstiger als eine Wendeschlaufe in der Breite.

«Gut. Das ist gut. Geh schon mal.»

Rund ums Baselbiet, Etappe 1 von Birsfelden nach Schönenbuch – 28. April 2019. Zuerst teilt die Birs die Stadt vom Land und ab Dreispitz mäandert der Grenzverlauf zu Basel wie zufällig über Zäune, durch Strassen und Quartiere. Gegen Frankreich verläuft die Grenze meist querfeldein und irgendwie sinnlos. «Gut. Das ist gut. Geh schon mal.» weiterlesen