Von einer in die andere Tasche

Selbstverständlich fanden wir uns auch nach dem sechsten Taskforce-Meeting in der nahegelegenen Gartenwirtschaft zum Bier ein. Das war schon ein bisschen Tradition geworden. Schliesslich war auch diesem Freitag wieder eine prächtige Frühlingssonne beschieden gewesen. … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … ( hier also, wie es ein mittlerweile schon ansehnlicher Trupp von Eindringlingen in diese noch völlig chaotische Werkstatt wünscht, ein paar Auschnitte aus dem nächsten Kapitel) … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … …

Wir waren einen schönen Schritt weitergekommen und hätten das Bier in der Gartenwirtschaft eigentlich redlich verdient gehabt. Wenn ich beim nächsten Traktandum nicht so fürchterlich danebengehauen hätte …

Es ging ums rootstudio, unser Web-Content-Entwicklungsteam, das unsere Website zusammen mit unseren eigenen Fachkräften entwickeln sollte. Es sollte etwas Neuartiges entstehen, wie es Vergleichbares noch nicht gab auf diesem Erdball. Oder, wie es Zampanini ausdrückte: «Die Digitalisierung ist die grösste Revolution, die die Menschheit je erlebt hat. Sie hat das Wissen auf einen Schlag unabhängig gemacht von der Welt der Besitztümer. Alle Baupläne, die bis anhin mit Patenten exklusiv genutzt werden konnten und zur Zeit noch immer genützt werden können, werden letztlich zu frei zugänglichen Daten. Mit diesen Daten kann sich jedermann Zutritt verschaffen zu unbeschränktem Wissen. Unser Ziel muss sein, dieses Wissen zu nutzen.»

Immer, wenn Zampanini so sprach, verstand ich ihn nicht ganz bis ins Letzte und kam mir auch ein bisschen begriffsstutzig vor. Die anderen schienen ihm, so dünkte mich, besser folgen zu können. … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … Ein wenig besorgt waren Rico Wind und ich nur immer wieder wegen der Frage, ob wohl die ganz konkrete Website zum Start unseres Projekts auch funktionieren würde.

Aber wir hatten ja unsere eigenen Fachleute in diesem Spezialteam: Andi Nacht, dann der gesellige Frieder Hüttenmoser und der etwas introvertierte Benjamin Diener. Ein alles in allem doch recht bodenständiges Team, das mit uns das gemeinsame Ziel der neuen Zeitung im Auge hatte. Die drei waren immer ganz aufgeregt, wenn die Männer vom rootsstudio ihr Kommen ankündigten, um zum Teil dann ganz konkrete Dinge zu besprechen wie etwa das Kunststück, dass beim Scrollen auf der künftigen Website unser Logo am gleichen Ort verharre.

Wenn sich die rootsstudio-Freunde aus den Sphären ihres Universums herniederliessen, kamen sie sinnigerweise immer mit dem Flugzeug – das war natürlich schon deshalb angebracht, weil die Reise aus ihrer Zentrale auf dem Landweg beschwerlich gewesen wäre. Sie zogen ihre Rollkoffer jeweils direkt vom Flughafen in unsere provisorischen Büroräume und begrüssten ihre engsten Kontaktleute wie etwa Zampanini oder den designierten Geschäftsführer Roland Kalt mit einem frohen «Ha!», einem drauffolgenden offenen Lachen; sie eilten aufeinander zu, täuschten die Bewegung einer herzlichen Umarmung an, die sie aber brüsk abbrachen, um sich über die Schulter hinweg drei kurze Schläge aufs Schulterblatt zu hämmern.

Dann verschwanden die Web-Spezialisten jeweils in einem separaten Raum und tüftelten an ihrer Erfindung herum. Ich liess es mir hin und wieder nicht nehmen, an Seancen dieses Wirkens teilzunehmen, auch wenn ich den Eröterungen nur ansatzweise folgen konnte. … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … …

Wie gesagt: Wir hätten das Bier an jenem späten Frühlingsnachmittag, als wir die Traktanden alle so entschlossen und einvernehmlich durchgearbeitet hatten, redlich verdient gehabt. Die Vorfreude darauf war schon gross und die Stimmung bestens.

Doch da schlug ich – wie ich es Nacht, Hüttenmoser und Diener bei vorgängigen Sitzungen versprochen hatte – vor, ob man nicht auch einen offenen Wettbewerb für die Webentwicklung organisieren könne, der dann unserem Fachteam die Möglichkeit gäbe, sich für einen Partner zu entscheiden. Ich sei mir bewusst, sagte ich, dass dies nun vielleicht schon etwas spät sei. Selbstverständlich sei dies kein Misstrauensvotum gegen das rootsstudio, sondern letztlich vielleicht sogar eine gute Grundlage für eine erspriessliche künftige Zusammenarbeit. Bei den Layout-Designern habe man das ja auch so gehandhabt. Und ich hätte gern noch etwas ausführlicher meine Begründungen dargelegt, aber es schien, als ob sich die Frühlingssonne ungewohnt schnell abkühlte. Zudem sagte Zampanini, es sei jetzt Zeit fürs Bier.

Auf dem Weg in die Gartenwirtschaft erklärte mir Projektleiter Fliesser, dass das rootsstudio nie zur Diskussion gestanden habe. Man habe das vielleicht nie ausdrücklich kommuniziert, aber Zampanini … … … … … … … … … … stünde dem rootsstudio sehr nahe. Er habe schon andere Projekte mit diesen Leuten aufgegleist. Und Andi Nacht, der von hinten in zügigem Tempo heraneilte, um sich der vor uns gehenden Gruppe mit Zampanini anzuschliessen, raunte mir im Vorbeigleiten zu: «Es gäbe mehr Gründe gegen rootsstudio als an zwei Händen Finger Platz haben. Aber du darfst nicht vergessen, dass das Geld der Fee bei Zampanini von einer Tasche in die andere fliesst … … …» … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … …

Es mochte in dieser Gartenwirtschaft keine gute Stimmung mehr aufkommen. Zampanini sass am anderen Ende des Tischs, schwieg vor sich hin und schwenkte lustlos sein Bier. … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … … …

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