Hühner? Ja, Hühner

Berta
Berta ist nun amtlich registriert.

Hühner auf Bauernhöfen – das war mal. Es ist chic geworden, sie auch in der Stadt und in der Agglo zu halten. Das wird administrative Folgen haben.

Im Auto läuft nun mal das Radio. Und in den Morgenstunden bringt unser Staatssender nicht nur laufend die neusten Staumeldungen, sondern auch sonst allerlei Praktisches und Wissenswertes. So hat sich eine dieser Morgenredaktionen kürzlich ans Thema Urban-Farming gemacht und dabei ganz speziell den Fokus auf Hühner gerichtet. In der Stadt Bern zum Beispiel wohnen 8000 Hühner – wobei zu präzisieren ist, dass davon weit über 7000 in einer einzigen Farm leben. Aber trotzdem: Es wird Mode, dass man in Stadt- und Agglogärten und Hinterhöfen ein paar Hühner hält.

Das alles plätschert so aus dem Lautsprecher, vorgetragen von einem Sprecher, dessen Stimme diese Neuigkeit mit einem leicht aufgeregten Vibrato in der Stimme untermalt. Unter anderem sagt er, dass bei aller Freude, die das Federvieh einem so bereiten kann, nicht vergessen werden dürfe, dass man die Hühner auf der Gemeinde melden – also sozusagen anmelden muss.

Johann, Berta, Emma, Klara und Ludmilla

Leider kann man im Autoradio kein Band zurückspulen, um das eben so nebenbei Gehörte zu verifizieren. Aber mir schien, ich hätte das so verstanden, dass wir nun auch auf der Gemeindeverwaltung vorsprechen müssten, um unseren Johann, den Güggel, und Berta, Emma, Ludmilla und Klara (die Hühner) anzumelden. Es regte sich in mir eine Spur zivilen Ungehorsams vermischt mit dem Gefühl, den Sprecher im Radio falsch verstanden zu haben.

Seit zwei Monaten haben wir Hühner und sitzen sowieso ein bisschen auf Nadeln, weil wir immer noch nicht sicher sind, ob all unsere Nachbarn dies goutieren werden. Die unmittelbaren schon, aber die etwas entfernter wohnenden? Besonders jetzt, da der Hahn tatsächlich am Morgen zu krähen beginnt. Nicht in aller Herrgottsfrühe zwar, aber so ab sieben Uhr legt er los.

In der Defensive

Bis jetzt läuft alles rund, aber wer weiss, wie lange? Wärs nicht vielleicht doch besser, mal auf der Gemeindeverwaltung nachzufragen. Ziviler Ungehorsam in Ehren, aber wenn sich dann einer über den Güggel beklagt bei den Behörden und diese aufmarschieren und sagen, wir hätten nicht einmal die grundlegendsten Pflichten, nämlich die Anmeldung der Hühner auf der Gemeindeverwaltung, wahrgenommen? Wir wären schon total in die Defensive gedrängt.

Und als ich dann mal am Gemeindehaus vorbeimarschierte, fasste ich den Entschluss, die Sache zu regeln. In der grossen Empfangshalle sassen vier Angestellte hinter ihren Schreibtischen, und die eine junge, von den Ferien gebräunte Frau fragte nach meinem Begehren.

«Ich möchte unsere Hühner anmelden», sagte ich.

«Hühner?» fragte sie.

«Ja, ich habe im Radio gehört, dass man Hühner anmelden muss.»

«Puh», sagte sie, «davon weiss ich nichts. Wohnen Sie hier in der Gemeinde und haben Hühner?»

«Ja», sagte ich, «aber wenn Sie von dieser Meldepflicht nichts wissen, lassen wir es eben sein. Ich wollte mich nur vergewissern.»

Die Empfangshalle ist zwar gross, aber für diskrete Gespräche nicht sonderlich geeignet. Die drei anderen Gemeindeangestellten, zwei ebenfalls junge Frauen und ein Lehrling, hatten ihre Beschäftigung unterbrochen und hörten interessiert zu.

Meine Gesprächspartnerin wandte sich um und schaute fragend in die Runde. «Habt ihr davon gehört, dass man Hühner anmelden muss?»

Die grosse Heiterkeit

Laut auflachen wollten sie dann doch nicht, aber grosse Heiterkeit breitete sich über ihren Gesichtern aus. Ausser beim Lehrling. Der schaute völlig verständnislos und echote: «Hühner?»

«Ja, Hühner», rief ihm meine fesche Gesprächspartnerin zu. «Hühner – der Herr da meint nicht Frauen.»

Der Lehrling wurde ziemlich rot, die Heiterkeit im Raum nahm noch grössere Ausmasse an und ich wurde gebeten, meine Telefonnummer zu hinterlassen. Die Sache würde abgeklärt.

Am Nachmittag erhielt ich dann den Bescheid, dass niemand auf der Gemeindeverwaltung von einer solchen Meldepflicht wisse, weshalb ich die Hühner auch nicht anmelden müsse.

Unterdessen hatte ich in Erfahrung gebracht, dass man Hühner sehr wohl registrieren lassen sollte – allerdings beim Kanton. Was ich plichtschuldigst getan habe. Eingetragen beim landwirtschaftlichen Zentrum sind nun mein Name, mein Jahrgang, die Zahl der Hühner, meine Email-Adresse und die Telefonnummer. Und zwar, wie mir freundlich erklärt wurde: «Wegen Vogelseuche und solchen Sachen.»

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.