Es folgt der dritte Dom, 16. September 2018

Hamm – Mainz: Ob Wander- oder Radwege, Überlandstrassen oder Autobahnen – die Sonntagsasuflügler schwärmen aus, hocken in der Sonne und faulenzen. Wir tun’s ihnen gleich.

So ein Sonntag: Alle Tische besetzt und zwar überall

Das Frühstück bei Filomena ist reichlich. Wir setzen uns in den Kräutergarten, um danach noch eine Tasse Kaffee zu trinken, fotografieren den Garten, die Katze, die Ausstattung, hören den Kirchenglocken zu, erst den katholischen, dann den evangelischen, später dringt Orgelklang in den Garten und dann kommt Filomena. Sie erzählt, wie sie in Portugal mit zwei Gewschwistern aufgewachsen ist, wie sie mit knapp dreissig beschloss auszuziehen, sich von Mutter und Vater verabschiedete, auf der Treppe überlegte, ob sie nun wieder umkehren soll und dann doch i die weite Welt hinaus ging. Tränen schiessen ihr in die Augen, als sie davon erzählt und Moni nimmt Filomena in die Arme, wo sie ein bisschen weint und dann weiter erzählt. Sie hilft in Deutschland in einem Haushalt aus, beginnt dann alte Sachen zu restaurieren, wie sie das in Portugal getan hat und trifft beim dieser Tätigkeit Jakob, der als Tischler auch mit grosser Hingabe alte Sachen herrichtet. Er sagt, sie möge doch bei ihm einziehen, was sie auch tut. Mit 32 Jahren kommt die erste Tochter zur Welt, die nun beim ZDF arbeitet und dann die zweite, die Übersetzerin wird. Dann erklärt sie uns all ihre Heilkräuter, wie sie wirken und wie man sie einsetzt.

Sonntagsfreuden
Eigentlich wären wir ja gern geblieben. Aber wenn man sich nun halt ein bisschen ans Leben «on the road» gewöhnt hat, will man weiter. Hamm – Eich – Oppenheim – Nierstein – für unsere Ohren eigenartige Ortsnamen. Immer dem Rhein entlang, immer auf Radwegen. Es ist warm, das Wetter treibt die Leute ins Freie, zu Fuss, auf dem Rad, Inline-Skater, einer sogar auf Kurzskis mit Rädern. Die Kneipen an den Spazierwegen sind gut besetzt, und doch finden wir in einem «Rheinblick» ein hübsches Plätzchen mit Blick aufs Wasser und Schwarzwäldertorte.

Frachter tuckern rheinaufwärts, Segelflieger kreisen, der Wein reift in den Rebbergen, auf den Liegewiesen am Fluss räkeln sich die Leute.

Schneller als erwartet wird es städtischer, unvermittelt steht in Mainz der dritte dieser mittelrheinischen Dome nach Speyer und Worms vor uns und wir setzen uns auch gleich in ein Kaffee unmittelbar neben dem Gutenberg-Museum und schauen den Flugzeugen zu, die sich am Turm des Doms vorbei zur Landung in Frankfurt vorbereiten. Da Sonntag ist, denken wir, es sei nun genug geschuftet. Wir telefonieren nach einem Hotelzimmer, werden beim Bahnhof im Hotel Schott fündig, wo der Charme herb aber fair ist. Zudem liegt gleich nebenan ein Waschsalon, was unseren Kleidern auch mal gut tut.

Gespräche und Gifteleien
Wir vertiefen uns im Museum in Gutenbergs Leben und seine Errungenschaften, schleppen uns in ein leeres Strassenrestaurant und beschliessen, zeitig zu essen, da die körperliche Ertüchtigung der letzten Tagen doch etwas in die Knochen gefahren ist. Kaum ist der Salat serviert, ist nebenan das Theater aus und Horden von rüstigen und auch nicht mehr so gehtüchtigen, in ihr gutes Tuch gekleidete Mainzer und Mainzerinnen ergiessen sich über den Platz und stürmen die freien Plätze in unserem Restaurant. Es gibt gehässige Worte zu hören und wir lauschen den Gesprächen und Gifteleien.

40 Kilometer

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