Falsch verstanden, wahrscheinlich

Es brauche Kontingente, um die Masseneinwanderungsinitiative umzusetzen. Darauf beharrt Christoph Blocher. Seine Tochter widerspricht. Oho!

wegweiser«Ja, wo denn jetzt?»

Zu Ankers oder Hodlers Zeiten hätte man das wahrscheinlich mit einem Rütchenzwick oder einer schnellen Ohrfeige regeln können. Aber heute geht sowas nicht: Da schwadroniert Tochter Magdalena in der «Schweiz am Sonntag», dass ihr Kontingente bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative herzlich egal seien, während Papa Blocher in der «Sonntagszeitung» die Kontingente beschwört, als gelte es, den heiligen Gral zu verteidigen.

Es ist wohl ganz schön was los bei Blochers. Feuer im obersten Dachgeschoss sozusagen. Die Tochter denkt halt – wie das Frauen oft so tun – ein bisschen praktisch. Der Vater bewegt sich eher in etwas abgehoben-sektiererischen Sphären.

Auf jeden Fall kommt die SVP-Gemeinde nicht mehr draus. Soll sie jetzt eher diesem Wegweiser folgen oder jenem? Klärung tut Not. Wir sind ja wohl noch nicht soweit wie in Frankreich, wo Tochter Le Pen den Vater zum Teufel jagt.

Aber vielleicht wendet sich schon bald alles zum Guten und Vater Blocher wird Tochter Magdalena erklären, dass sie die Journalisten von der «Schweiz am Sonntag» nur falsch verstanden und falsch interpretiert haben. In Wirklichkeit halte sie die Kontingente auch für das «pièce de résistance» der Masseneinwanderungsinitiative. Oder das Kernstück. Oder die Hauptsache. Oder sonst so ein Zeugs.

Es ist nämlich tatsächlich so, dass die beiden Zeitungen in EU-Fragen die gleichen Sachverhalte sehr unterschiedlich interpretieren. Die eine, die «Schweiz am Sonntag» weiss, dass der Bundesrat in Sachen Rahmenabkommen (z.B. fremde Richter und dergleichen) sehr gespalten sei und Aussenminister Burkhalter im Gremium sehr isoliert dastehe, weil er dieses Abkommen unterstütze. Die andere, die «Sonntagszeitung», dagegen schreibt und beruft sich dabei auf mehrere Quellen, dass die Mehrheit im Bundesrat allmählich von diesem Abkommen überzeugt sei.

Ja, und jetzt? Da keine der beiden Zeitungen bei den Bundesratssitzungen anwesend gewesen sein dürfte, waren sie auf Einflüsterer angewiesen. Die scheinen verdammt schlecht informiert gewesen zu sein, wenn sie derart Unterschiedliches berichten. Oder die Journalisten haben sie irgendwie falsch verstanden. Man weiss das nie so genau. Drum könnte Tochter Blocher eventuell auch gar nicht gesagt haben, dass … naja.

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