Ein Schuss ins Stadt-Bein

Basel vergibt die Chance, auf eigenem Grund und Boden das Weltbild des Baselbiets zu entstauben.

IMG_4109Holdenweid: Sieht aus wie Land, ist aber hundertprozentig Stadt. Stadt Basel

Der Basler Kulturchef Philippe Bischof will zur Zeit kein neues Kulturprojekt auf Baselbieter Boden unterstützen. Das kann man gut verstehen. Kraft seines Amtes setzt auch er ein Signal, nachdem die Regierung in Liestal angekündigt hat, kulturelle Zentrumsleistungen an die Stadt zusammenzustreichen.

Betroffen ist die Baselbieter Künstlerin Cornelia Huber. Laut Basler Zeitung hat sie einen abschlägigen Bescheid erhalten, als sie in der Stadt um finanzielle Unterstützung für das Kulturprojekt «Impulszentrum» auf der Holdenweid bei Hölstein (BL) nachsuchte. Wie die «Schweiz am Sonntag» Ende August berichtete, schwebt der Künstlerin eine grundlegende Kulturerneuerung vor, die «eine … Erweiterung des heutigen Weltbildes» erfordere. Im «Zukunftslabor» sind laut dem Bericht «im mehrteiligen Gebäudekomplex, inklusive dem maroden Geriatriegebäude der 1950er-Jahre, Künstlerateliers und Gästezimmer vorgesehen. Die Aufbauarbeit soll schrittweise erfolgen und weitgehend von den künftigen Holdenweid-Bewohnern besorgt werden.»

Angespannte Zeiten

Es ist anzunehmen, dass der Basler Kulturbeauftragte Bischof nichts dagegen hätte, wenn das gängige Weltbild im Baselbiet erweitert würde. Für ihn, ursprünglich selbst ein Baselbieter, dürfte auch nichts dagegen sprechen, dass mit Cornelia Huber eine Baselbieterin – zusammen übrigens mit anderen Kulturschaffenden – sich des Projekts Weltbilderweiterung annehmen will. Aber eben: Kulturgeld ins Baselbiet – das liegt in diesen angespannten Zeiten nicht drin.

Das ist aber falsch. Die Holdenweid ist gar nicht Baselbiet. Sie ist sozusagen eine städtische Exklave, umgeben von Hölsteiner Boden. Sie gehört der Stadt, den Immobilien Basel. Hei, was lassen sich die Basler für eine Gelegenheit entgehen. Dieses Nein ist ein Schuss ins eigene Bein. Auf städtischem Grund und Boden könnten sie auf der Holdenweid eine gesellschaftliche und kulturelle Erneuerung befördern, die Schritt für Schritt das Denken und Handeln der Menschen in der nahen und weiteren Umgebung veränderte. Zuerst würde sie – schon aus geographischen Gründen – die Köpfe der Hölsteinerinnen und Hölsteiner erobern und damit zwangsläufig auch jenen ihrer prominentesten Mitbürgerin, der Baselbieter Kulturdirektorin Monica Gschwind.

3 Gedanken zu „Ein Schuss ins Stadt-Bein

  1. Genau! In diese Richtung muss weitergedacht werden. In Zeiten, wo man mit dem Optimismus vorsichtig umgehen muss, weil er ein zerbrechliches Gut geworden ist, sollten exakt solche Projekte verwendet, um in einer laborähnlichen Situation neue Formen partizipativen Handelns zu erkunden. Lose gedacht würde dies heissen, dass verschiedene Player sich zu einer gemeinsamen Stiftung zur Erhaltung der historischen Bausubstanz und zur Wiederbelebung in Form eines Kulturprojektes am Beispiel «Impulszentrum Holdenweid» zusammenschliessen. Dabei würde die Stadt Basel, via Immobilien Basel-Stadt, das Hofgut Holdenweid in die Stiftung einbringen, der Kanton Baselland würde (unter der Schirmherrschaft des Baselbieter Heimatschutzes) während 3 Jahren die Teil-Sanierung der historischen Gebäudeteile übernehmen (Finanzierung via swisslos Fonds), die Edith Maryon Stiftung würde mithelfen eine ordentliche Stiftung aufzubauen und daselbst für den Start die Verwaltung übernehmen, in der Stiftung ebenfalls Einsitz nehmen, müsste eine Betreibervertretung, sowie möglicherweise eine VertreterIn der Gemeinde Hölstein. Die Stiftung stellt in einer ersten Phase das ehemalige Spital- respektive Altersasyl-Gebäude der jetzigen Künstlergruppe zur Verfügung. Die Künstlergruppe finanziert sich über Theater- und Tanzprojekte, respektive Ausstellungen und die Vermietung von Atelierräumen, betreibt einen kleinen Gastrobetrieb mit Übernachtungsmöglichkeiten. Der Kanton Baselland verpflichtet sich konstruktiv mitzuwirken, dass die hängigen Fragen in Bezug auf Zonen- und Baurechtsfragen rasch und im Sinne der Stiftung & Betreiber geklärt und entsprechend adaptiert werden.

    Ziel dieser ungewöhnlichen Kooperation: Erhaltung eines wertvollen historischen Hofgutes, Sanierung dieser Anlage unter fachkundiger Leitung des Baselbieter Heimatschutzes. Realisierung eines kulturellen Testbetriebes als «Forschungslabor» im beschaulichen Seitental der Holdenweid bei Hölstein. Damit sollen auch die Grundlagen geschaffen werden für eine öffentliche Zugänglichkeit der historischen Bausubstanz. Längerfristig soll ein kleiner, aber lebendiger Ort geschaffen werden, welcher für verschiedenen Kunstsparten, Seminare & Workshops öffentlich zur Verfügung steht. Neu an dieser Form der Kooperation: Von Anfang an wären beide Kantone in einem realen partnerschaftlichen Verhältnis an diesem Projekt beteiligt.

    Eine gemeinsame Stiftung wäre dafür die Grundlage. Damit könnte auch aufgezeigt werden, dass eine differenzierte Alimentierung (BS: bringt die Liegenschaft, inkl. Ländereien in die Stiftung ein; BL finanziert zeitlich limitiert die Sanierung und Instandstellung und die Edith Marion Stiftung stellt das Know How zur Bewirtschaftung der Stiftung und die befristete Verwaltung zur Verfügung, die Gemeinde Hölstein regelt die infrastrukturellen Probleme in Eigenregie (u.a.: Wasseranschluss, Strassensanierung und Parkplätze) sowie, last but not least: Die Betreiber realisieren einen realen Betrieb und betreiben das «Forschungslabor»).

    Die Bevölkerung erhält ein Geschenk in Form eines wiederbelebten ehemaligen Gutshofes, jetzt in Form eines Kulturbetriebes. Insgesamt ein Projekt in welchem alle Protagonisten gleich zu Beginn auf gleicher Augenhöhe agieren. Möglicherweise lässt sich das Modell später auf andere kantonale Projekte ausdehnen. Damit hätte der kulturpolitische Stillstand ein Ende und Hoffnung und Optimismus könnten sich wieder breit machen.
    Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten und ein mögliches Lehrstück.

    Der Schuss ins eigene Knie könnte fröhlich abgewendet werden…

  2. Genau! In diese Richtung muss weitergedacht werden. In Zeiten, wo man mit dem Optimismus vorsichtig umgehen muss, weil er ein zerbrechliches Gut geworden ist, sollte man exakt solche Projekte verwenden, um in einer laborähnlichen Situation neue Formen partizipativen Handelns zu erkunden. Lose gedacht würde dies heissen, dass verschiedene Player sich zu einer gemeinsamen Stiftung zur Erhaltung der historischen Bausubstanz und zur Wiederbelebung in Form eines Kulturprojektes am Beispiel «Impulszentrum Holdenweid» zusammenschliessen. Dabei würde die Stadt Basel, via Immobilien Basel-Stadt, das Hofgut Holdenweid in die Stiftung einbringen, der Kanton Baselland würde (unter der Schirmherrschaft des Baselbieter Heimatschutzes) während 3 Jahren die Teil-Sanierung der historischen Gebäudeteile übernehmen (Finanzierung via swisslos Fonds), die Edith Maryon Stiftung würde mithelfen eine ordentliche Stiftung aufzubauen und daselbst für den Start die Verwaltung übernehmen, in der Stiftung ebenfalls Einsitz nehmen, müsste eine Betreibervertretung, sowie möglicherweise eine VertreterIn der Gemeinde Hölstein. Die Stiftung stellt in einer ersten Phase das ehemalige Spital- respektive Altersasyl-Gebäude der jetzigen Künstlergruppe zur Verfügung. Die Künstlergruppe finanziert sich über Theater- und Tanzprojekte, respektive Ausstellungen und die Vermietung von Atelierräumen, betreibt einen kleinen Gastrobetrieb mit Übernachtungsmöglichkeiten. Der Kanton Baselland verpflichtet sich konstruktiv mitzuwirken, dass die hängigen Fragen in Bezug auf Zonen- und Baurechtsfragen rasch und im Sinne der Stiftung & Betreiber geklärt und entsprechend adaptiert werden.

    Ziel dieser ungewöhnlichen Kooperation: Erhaltung eines wertvollen historischen Hofgutes, Sanierung dieser Anlage unter fachkundiger Leitung des Baselbieter Heimatschutzes. Realisierung eines kulturellen Testbetriebes als «Forschungslabor» im beschaulichen Seitental der Holdenweid bei Hölstein. Damit sollen auch die Grundlagen geschaffen werden für eine öffentliche Zugänglichkeit der historischen Bausubstanz. Längerfristig soll ein kleiner, aber lebendiger Ort geschaffen werden, welcher für verschiedenen Kunstsparten, Seminare & Workshops öffentlich zur Verfügung steht. Neu an dieser Form der Kooperation: Von Anfang an wären beide Kantone in einem realen partnerschaftlichen Verhältnis an diesem Projekt beteiligt.

    Eine gemeinsame Stiftung wäre dafür die Grundlage. Damit könnte auch aufgezeigt werden, dass eine differenzierte Alimentierung (BS: bringt die Liegenschaft, inkl. Ländereien in die Stiftung ein; BL finanziert zeitlich limitiert die Sanierung und Instandstellung und die Edith Marion Stiftung stellt das Know How zur Bewirtschaftung der Stiftung und die befristete Verwaltung zur Verfügung, die Gemeinde Hölstein regelt die infrastrukturellen Probleme in Eigenregie (u.a.: Wasseranschluss, Strassensanierung und Parkplätze) sowie, last but not least: Die Betreiber realisieren einen realen Betrieb und betreiben das «Forschungslabor»).

    Die Bevölkerung erhält ein Geschenk in Form eines wiederbelebten ehemaligen Gutshofes, jetzt in Form eines Kulturbetriebes. Insgesamt ein Projekt in welchem alle Protagonisten gleich zu Beginn auf gleicher Augenhöhe agieren. Möglicherweise lässt sich das Modell später auf andere kantonale Projekte ausdehnen. Damit hätte der kulturpolitische Stillstand ein Ende und Hoffnung und Optimismus könnten sich wieder breit machen.
    Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten und ein mögliches Lehrstück.

    Der Schuss ins eigene Knie könnte fröhlich abgewendet werden…

  3. Eine Interessante und schöne Sichtweise, auch die von Herr Meury.
    Aus meiner Sicht allerdings wurden weder die vielen noch Gelder für die geanannten Ziele eingesetzt, noch wurden regionale Arbeitsplätze geschaffen. Die letzten 5 Jahre wurden dafür verwendet für einige wenige Personen eine akkurate Unterkunft zu schaffen.
    Viele Projekte sind nicht nachhaltig, die Planung wird nicht oder ungenügend umgesetzt und ein grosser Teil der Energie wird für die divarmierung von Nachbarn, Bauern und Förstern in der Umgebung verwendet.
    Es wurden weder Arbeitsplätze geschaffen noch Räume für Gemeinnützige Anlässe wie Kindergarten, Altentage oder ähnliches vergeben. Wenn dann nur an Mitglieder, für einen relativ hohen Betrag vermietet.
    Unter dem Strich wurde Wohn und Lebensraum für eine kleine Elite geschaffen, mit dem Ziel die hier lebenden Menschen in kurzer Zeit zu vertrieben.
    Die Umsetzung des Planes 2015 wäre tatsächlich ein Schuss ins Bein gewesen, zum Glück gibt es noch kritische Menschen die nicht alles einfach glauben was die Medien so schreiben….

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