Wildwestwolke: In der ganz vornehmen Stube

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Ausschnitt aus dem nächsten Kapitel:

Die Tür öffnete Gregor Zampanini. Er begrüsste mich herzlich, sein Lächeln hatte etwas Verschwörerisches – kein Wunder, denn von dem, was hier besprochen werden sollte in den kommenden Nachmittagsstunden, wussten nur ganz wenige. Wer zum Kreis der Eingeweihten gehören würde, war auch mir noch nicht so ganz klar. Ich kannte sie nicht – auch Gregor Zampanini kannte ich eigentlich nicht. Ich hatte ihn bisher erst drei Mal gesehen.

Zampanini ging in Socken. In handgestrickten, vielleicht etwas zu grossen Socken, wie ich sie selbst seit Jahren nicht mehr getragen hatte. Mir hatte sie die Grossmutter gestrickt, jeweils zu Weihnachten und zum Geburtstag ein Paar, und wenn sie etwas ausgeleiert waren, lagen sie wie die von Zampanini nicht mehr so eng an Fussballen, Rist und Ferse. Aus der Form geratene Wollsocken eben. In meiner Verlegenheit fiel mir keine gescheite Banalität zum Begrüssungs-Smalltalk ein, bald sollte ich dieser geheimnisvollen Frau gegenüberstehen und um der Nervosität ein Schnippchen zu schlagen, entschloss ich mich, mich zu bücken, um die Schuhe aufzuschnüren.

«Nein, nein, lass das», sagte er, «behalt sie an.»

Aha, dachte ich, Zampaninis Socken haben gar nichts mit diesem schönen Parkettboden zu tun. Die sollen mir was sagen, diese Socken. Dass die Wohnung ein bisschen ihm gehört. Oder dass er ein bisschen zur Wohnung gehört. Oder zumindest in die Wohnung. Der ist da vertraut. So bisschen intim. Fühlt sich ganz daheim.

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und noch ein kleiner Auschnitt

……………….. … er zog in Erwägung, ob es nicht sinnvoll sei, dass die Frau in einem kurzen öffentlichen Auftritt ihr Engagement begründe. Sie sträubte sich. Sie sei wirklich nicht gemacht für öffentliche Auftritte. Andere fanden aber auch, es wäre eine sehr gute Performance, wenn sie sich nur ganz kurz äussern würde. Sie fühlte sich fast ein bisschen bedrängt, schien aber den Sinn einer öffentlichen Erklärung einzusehen und sagte: «Aber ihr müsst mir dann auf ein Zettelchen schreiben, was ich sagen soll.» Selbstverständlich, sagten alle. Aber wenig später, kurz vor dem Apero, entschied sie sich, doch im Hintergrund zu bleiben.

Dann stiessen alle aufs Gelingen an … und assen von den erlesenen Häppchen.

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