Impressiuns da Bravuogn, zum Trotz

Man munkelt, das Fotoverbot in Bergün sei aufgehoben. Doch verlässliche Dementis gibt es noch nicht. Die folgenden Bilder sind noch vor dem überraschenden Entscheid des Bergüner Souveräns aufgenommen worden. Sie sind also noch legal.

Einige interpretieren das Fotoverbot als Werbegag für den Tourismus in Bergün – oder Bravuogn, wie jene Einheimischen sagen, die romanisch reden. Vieles deutet aber darauf hin, dass das ganze eine ernste Angelegenheit ist. Erste Anzeichen deuteten schon im März dieses Jahres darauf hin, dass da etwas im Gange war. Man musste nur genau hinsehen und die Zeichen der Zeit richtig deuten.

Zum Teufel mit dem Fotoapparat: Johann Battaglia, Schulhausabwart, lässt nicht mit sich spassen. «Ciao, ciao, mach dich vom Acker», rufen schon die jungen Bergünerinnen vor dem Hofladen, der dreist als Güterwagen getarnt ist, um Touristen zu verwirren.

Die zwölf Apostel und der Herr Jesus blicken mürrisch am Objektiv vorbei hinaus ins graue Nichts.

Vor der Kamera ins Dunkel der Scheune geflüchtet: eine Bergüner Bäuerin.

«Lovely Things» – denkste! Ein missmutiger Blick und nichts wie raus aus dem Bild.

In flagranti erwischt: Ein Einheimischer, fünf Ziegen und ein Uniformierter treiben einen Fotografen aus dem Dorf.

Arpen Huder, 101 Jahre alt, hat schon ganz anderes erlebt: Er mag sich noch erinnern, wie Mitte der 20-er Jahre im letzten Jahrhundert die Autos mit Pferden über den Albula gezogen wurden. Weil das Autofahren in Graubünden verboten war.

Sogar Blumen werden vor Paparazzi geschützt: Farbenpracht im grossen Saal des Kurhauses.

Wie gesagt: Hätte man die Zeichen der Zeit erkannt, hätte man das harte Bergüner Verdikt kommen sehen. Nochmals: Die Bilder sind zwischen dem 23. und 25. März entstanden, deutlich vor dem Entscheid der Gemeindeversammlung. Die Behörden mögen vor einer Strafverfolgung absehen.

 

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